Mit sys­te­mi­scher The­ra­pie den eige­nen Weg finden

Reh­a­psy­cho­lo­gin hilft, Hür­den zu überwinden

Aus Stadt­ma­ga­zin Haus­post August 2022

Schwe­rin • Sys­te­mi­sche The­ra­pie heißt das Kon­zept, das Psy­cho­lo­gin Jose­fi­ne Huth im Reha­zen­trum anwen­det. Im Kern besteht es dar­in, mit dem Pati­en­ten im Gespräch her­aus­zu­fin­den, wel­ches Ziel er nach sei­ner Reha hat und wie das gemein­sam erreicht wer­den kann. Jeder fin­det einen eige­nen Weg. Dafür bie­tet die Exper­tin viel­fäl­ti­ge Unter­stüt­zung mit Schu­lun­gen, prak­ti­schen Kur­sen und Zeit für indi­vi­du­el­le Gespräche.

Josefine Huth, Rehabilitationspsychologin im Rehazentrum Schwerin
Jose­fi­ne Huth, Reha­bi­li­ta­ti­ons­psy­cho­lo­gin im Reha­zen­trum Schwerin

„Es gibt Men­schen, die kom­men zwei Mal in mein Büro, ande­re tref­fe ich zehn Mal“, sagt sie. „Sor­ge, sein gan­zes Leben aus­zu­schüt­ten, muss nie­mand haben und es gibt auch kei­ne The­ra­pie­couch in mei­nem Arbeitszimmer“

Jose­fi­ne Huth, Rehabilitationspsychologin
Mus­keln und Gelen­ke brau­chen den Kopf

Vie­le der Reha-Pati­en­ten haben nach den Unfäl­len oder Ope­ra­tio­nen Ängs­te. Die Angst, im Beruf nicht mehr so leis­tungs­fä­hig wie frü­her zu sein, oder die Befürch­tung, dem neu­en künst­li­chen Gelenk zu ver­trau­en. „Wenn ich die­se Blo­cka­den erken­ne, kann ich mit dem Pati­en­ten gezielt dar­an arbei­ten und ihn stär­ken“, sagt Jose­fi­ne Huth. „Einer Rent­ne­rin mit zwei künst­li­chen Knie­ge­len­ken habe ich bei Tanz­schrit­ten auf dem Par­kett gezeigt, wie beweg­lich sie mit den Implan­ta­ten sein kann, wenn sie ihnen ver­traut. Da war eine Sper­re, die wir dadurch besei­ti­gen konnten.“ 

Frei­wil­lig­keit ist die Voraussetzung

Jedem Pati­en­ten, der möch­te, macht Jose­fi­ne Huth ein Gesprächs­an­ge­bot. Wenn psy­cho­lo­gi­scher Bera­tungs­be­darf da ist und der Pati­ent die men­ta­le Hil­fe anneh­men möch­te, kann er wei­te­re Ter­mi­ne mit der Exper­tin ver­ein­ba­ren. „Es gibt Men­schen, die kom­men zwei Mal in mein Büro, ande­re tref­fe ich zehn Mal“, sagt sie. „Sor­ge, sein gan­zes Leben aus­zu­schüt­ten, muss nie­mand haben und es gibt auch kei­ne The­ra­pie­couch in mei­nem Arbeits­zim­mer“, beschwich­tigt die Psychologin. 

„Zuerst möch­te ich her­aus­fin­den, was den Pati­en­ten wäh­rend der Zeit der Reha am meis­ten bewegt“, sagt Jose­fi­ne Huth. „Die Schick­sa­le sind dabei so unter­schied­lich wie die Pati­en­ten selbst. Häu­fig gehen den Men­schen wäh­rend der Zeit des Arbeits­aus­falls Exis­tenz­ängs­te durch den Kopf. Job­ver­lust, Trau­er, Pro­ble­me in der Bezie­hung und Stress gehö­ren eben­falls zu ganz vie­len Gesprä­chen, die ich füh­re“, berich­tet die Psychologin. 

Beson­ders gut funk­tio­niert die sys­te­mi­sche The­ra­pie, wenn die Pati­en­ten selbst mit­wir­ken, die psy­cho­lo­gi­schen Ange­bo­te anneh­men und auf ihre selbst gesetz­ten Zie­le hin­ar­bei­ten. Der Fokus der Unter­stüt­zung besteht dar­in, zu erar­bei­ten, wie dem Betref­fen­den in sei­ner per­sön­li­chen Situa­ti­on, in der Fami­lie oder dem Arbeits­um­feld gehol­fen wer­den kann. Dann wird über­legt, wie die Hil­fe opti­miert wird, dass der Pati­ent dau­er­haft gut durchs Leben kom­men kann. Gesund­heits­schu­lun­gen wie Rau­cher­ent­wöh­nung, prak­ti­sche Kur­se gegen Stress oder Schmer­zen ergän­zen die Gesprächsangebote.

Text und Fotos: “Haus­post” Stef­fen Holz, Max­press